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20. Dezember

Raum schaffen

Wie oft hörte ich schon den Satz: "Ach wie schön, dass du dein Hobby zum Beruf machen konntest". Und ja! Musik ist ein Beruf. Klar ist es auch eine Berufung. Und doch verdienen wir Geld mit unserem Schaffen - schliesslich müssen wir wie alle anderen auch Steuern bezahlen und die Fixkosten wie zum Beispiel Miete und Krankenkasse tragen. Also ist es ein Beruf. Trotz allem - kein einfacher Beruf. Und doch so erfüllend. Ich könnte mir nichts besseres vorstellen! Die heutige Geschichte erzählt davon, wie wichtig es in diesem Beruf ist, Zeit und Raum für sich zu schaffen. Und sie erzählt von meiner persönlichen Suche nach einem neuen "Hobby". 

 

Was das Publikum zu sehen und zu hören kriegt, ist ein Endresultat. Ein Endresultat wochenlanger, ja gar monatelanger Arbeit auf diesen einen Moment hin. Dann kommt der Applaus und die Komplimente nach dem Konzert. Gleichzeitig sind bei mir eine grosse Erfüllung und auch ein bisschen Leere und Wehmut spürbar. Denn man man nimmt vom einstudierten Programm Abschied, um sich gleich wieder an Neues zu wagen. 

 

In Zeiten, in denen viel läuft, sind 7-Tage-Wochen üblich. Unter der Woche wird unterrichtet und an den freien Tagen - auch an Wochenenden - wird geübt für Konzerte und Proben, welche anstehen. Oder Proben und Konzerte werden gespielt. Das braucht ein gutes Stück an Organisation. Ebenso muss man schauen, dass man seine Kräfte spart. Immer gäbe es noch einen kleinen Schliff an der einen oder anderen Stelle im Stück zu machen. Den einen oder anderen Takt noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Und man hat nie ausgelernt. Auch im Studium war das nicht immer einfach. Denn die freie Zeit sollte ja möglichst seriös zum Üben genutzt werden. Irgendwann nagt das aber an der Kreativität. Und an der Energie.

 

Deshalb habe ich mich schon länger entschieden, wenn möglich, bewusst freie Tage in meine Wochen einzubauen. Freie Tage sind unglaublich wichtig. Sie geben uns Zeit, Inspiration zu finden und unsere Kreativität auszubauen. Wären wir ständig im stillen Kämmerlein am Üben, würden wir wohl nirgends hinkommen. Auch wenn alles sitzt. Denn viele Gefühle, die wir in der Musik ausdrücken, sind im täglichen Leben - und so auch in der Freizeit - spürbar. Diese gilt es also zu erleben. All die Farben, Gerüche, Gefühle, etc., etc. 

 

Zeit also, auf einen Spaziergang zu gehen. Frische Luft tanken. Bilder und Klänge der Natur auf sich einwirken lassen. Aber ein Hobby war dadurch immer noch nicht da. Irgendwas, was mir neue Inspiration bietet, mich ablenkt und auf neue Gedanken bringt. Sport wäre toll - aber ich als Sportmuffel tat mich da immer schwer. Schwimmen machte den Anfang. Aber das braucht Disziplin. Einmal, zweimal die Woche ins Schwimmbad. Ein bis zwei Kilometer schwimmen. Manchmal fehlte mir ob all dem Unterrichten und Konzertieren die Zeit dazu. Trotzdem war das toll und half schon, etwas Ausgleich zu finden. Aber das gewisse Etwas fehlte.

 

Weiter ging die Suche. Nach einer langen Pause, ging es 2019 endlich wieder mal auf die Skipiste. Das wars! Skifahren - das fand ich schon immer toll - nur ging das all die Jahre vergessen. Aber ein Problem gab es: Skifahren ist ziemlich teuer und was macht man, wenn es keinen Schnee hat? Wieder über den Haufen geworfen.

 

2019 bin ich dann nach Studienabschluss in ein neues Quartier in Basel gezogen. Auf einem Spaziergang wurde ich auf die verschiedenen Freizeitangebote aufmerksam. Unter anderem gab es ein Yogastudio. Bis dato konnte ich mir darunter nicht viel vorstellen. Also wagte ich mich an meine erste Vinyasa Flow Stunde. Gar nicht so einfach, sich all die Bewegungen und Posen zu merken. Und ziemlich anstrengend. Noch nie habe ich so geschwitzt! Aber schön war es trotzdem. Sport, der Freude und Entspannung bietet. Die Ruhe im hektischen Alltag zurückbringt. Das wars! Das wollte ich weiterziehen. Heute bin ich schon ein Jahr regelmässig in den Yoga-Lektionen anzutreffen. Ein guter Ausgleich. Hinzu kommen weitere Freizeitbeschäftigungen wie Kochen, Wellness und neu auch Politik. So geht die Jahrelange Suche nach einem neuen Hobby zu Ende. Und sicher werden wieder neue Hobbies dazukommen.

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